Wenn nur noch wenige Fahrgäste auf den Bus warten

«Die Fahrgäste winken mir jetzt beim Aussteigen zu»

Nada Stojadinovic fährt seit mehr als neun Jahren mit Herzblut Bus für den VBG-Transportpartner Eurobus in Regensdorf. Als Mutter von drei Kindern macht es ihr der Beruf als Busfahrerin möglich, Job und Familie gut zu verbinden.

Wie erleben Sie die Massnahmen gegen das Coronavirus?
Mit den Massnahmen war das Virus plötzlich sehr gegenwärtig: Es war nicht mehr irgendwo in China oder sonst weit weg, sondern in meinem Alltag angekommen. Es brauchte einen Moment, bis bei mir das Desinfizieren von Lenkrad und Knöpfen vor Schichtbeginn zur Routine wurden. Auch für die Fahrgäste war es eine Umstellung, nicht mehr bei der ersten Türe einsteigen zu können.

Ist das Abstandhalten im Bus schwierig?
Nein, denn nur noch wenige Personen fahren Bus und die Fahrgäste halten sich in Eigenverantwortung sehr gut an die Vorgaben. Gerade als sich die Corona-Krise verschärfte und wir zum Abstandhalten aufgefordert wurden, stürzte aber ein Fahrgast beim Aussteigen. Ich habe ihm erste Hilfe geleistet bis die Sanitäter kamen. In diesem Moment habe ich einfach nur gehandelt wie wir es in der Aus- und Weiterbildung geübt haben. Und natürlich kam ich dieser Person sehr nahe. Über Corona habe ich mir erst im Nachhinein Gedanken gemacht. In diesem Moment war das Abstandhalten für mich natürlich nicht möglich – solche Situationen bringt der Beruf auch mit sich.

Vermissen Sie die Fahrgäste?
Nach Jahren unterwegs in derselben Region kenne ich viele Fahrgäste. Gerade die älteren Fahrgäste sehe ich momentan weniger. Dann mache ich mir manchmal Sorgen um sie und hoffe, dass es ihnen gut geht. Viele Fahrgäste sind sehr dankbar, dass wir in dieser aussergewöhnlichen Zeit überhaupt noch fahren. Weil sie nun nicht mehr vorne aussteigen können, winken sie mir von aussen zu. In diesen Tagen tun das auch Personen, die zuvor beim Aussteigen keine Reaktionen gezeigt haben. Diese Wertschätzung und Dankbarkeit rühren mich. Eine ältere Dame hat mir sogar als Dankeschön einen Schokolanden-Osterhasen auf die Wartebank gelegt und mir zugerufen, dass dieser für mich sei.

Worauf freuen Sie sich, wenn wieder Normalität einkehrt?
Auf abwechslungsreiche und lebendigere Tage mit Menschen und ihren Geschichten. Fahrgäste, die von ihren Ferien nach Hause fahren und mir von ihren Erlebnissen erzählen oder den älteren Herrn, der jeden zweiten Tag ins Fitnesscenter fährt – diese Begegnungen bereichern mich und meinen Beruf.


«Wir vermitteln Normalität»

Carmine Lacava fährt bereits seit 12 Jahren Bus – seit rund 10 Jahren für den VBG-Transportpartner ATE Bus AG. Als Buschauffeur ist er im Raum Effretikon unterwegs und liebt die Abwechslung der sehr unterschiedlichen Linien. Die aktuelle Situation durch das Coronavirus wird vor allem im öffentlichen Raum spürbar. Auch für Carmine Lacava ist es eine besondere Situation.

 

Was hat sich seit den Massnahmen gegen das Coronavirus für Sie verändert?
Seit der Umsetzung der Massnahmen bleibt die vorderste Tür des Busses zu und der Bereich um den Führerstand abgesperrt. Dadurch fühle ich mich gut geschützt – aber es liegt auch an mir, die Hygienevorschriften einzuhalten. Das bedeutet auch, dass ich in meinen Pausen leider nicht mehr mit Fahrgästen und Berufskollegen beisammenstehe und rede. Auch im Busdepot gibt es klare Regeln, um Ansteckungen möglichst zu vermeiden. In unserem Pausenraum dürfen sich beispielsweise nur noch maximal drei Personen aufhalten und müssen dabei natürlich die Abstandsregeln einhalten. Mein Berufsalltag ist ohne den täglichen Austausch mit Menschen eintöniger geworden. Die Situation zeigt uns allen, wie wichtig das Miteinander im Alltag doch ist.

Wie geht es den Fahrgästen in diesen Tagen?
Es sind nur noch wenige Fahrgäste unterwegs und die Busse gerade tagsüber fast leer. Ich habe den Eindruck, dass sich die Fahrgäste alle sehr gut an die Regeln halten und sehr rücksichtsvoll miteinander umgehen. Auch sie beschränken die Interaktion untereinander nur auf das Minimum. In dieser herausfordernden Situation freue ich mich dennoch, dass ich den Menschen etwas Normalität vermitteln kann, indem wir noch immer fahren.

Worauf freuen Sie sich, wenn wieder Normalität einkehrt?
Auf die sonst spürbare Lebensfreude der Menschen – sei es ein Lächeln, ein Witz, ein überzeugtes «Grüezi» oder einfach ein kurzer Austausch. Die Menschen sind unbekümmert im Frühling und ich freue mich, dieses Gefühl zusammen mit den Fahrgästen mitzutragen, sobald es wieder möglich ist.

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